Stefans Kritzeleien

kleiner Sehnsuchtsjunkie auf Sinnsuche

Ist das schöööön.

Mit Essen spielt man nicht!

Unterschreiben, Politik beeinflussen, Leben retten.

Vor 1 Monat
Find ich toll. Nur schade, dass es Werbung für Zigaretten ist.

Find ich toll. Nur schade, dass es Werbung für Zigaretten ist.

Manchmal sind es trockene Tränen, die uns aus den Augen laufen.

Mancher

gewidmet allen, die Häuser aus heißer Luft bauen und sich wundern, dass sie bei Regen nass werden und sich dann auch noch darüber rühmen, dass ihr Haus nicht in langweiligem Weiß gestrichen ist.

Mancher meint,

man könne nicht Äpfel und Birnen vergleichen.

Mancher lacht über Birnen, weil sie nicht rot sind.

Mancher weiß nicht, dass es auch gelbe Äpfel gibt.

Mancher ist eine hohle Nuss.

Ich wünschte, ich könnte auch mal krank werden.

Dann könnte ich wenigstens mal gesund werden.

Wohl darf ich geradezu dich selbst, günstiger Leser! fragen, ob du in deinem Leben nicht Stunden, ja Tage und Wochen hattest, in denen dir dein gewöhnliches Tun und Treiben ein recht quälendes Missbehagen erregte, und in denen dir alles, was dir sonst recht wichtig und wert in Sinn und Gedanken zu tragen vorkam, nun läppisch und nichtswürdig erschien? Du wusstest dann selbst nicht, was du tun und wohin du dich wenden solltest; ein dunkles Gefühl, es müsse irgendwo und zu irgendeiner Zeit ein hohen, den Kreis allen irdischen Genusses überschreitender Wunsch erfüllt werden […] Du schlichst mit trübem Blick umher wie ein hoffnungslos Liebender, und alles […] erregte dir keinen Schmerz und keine Freude […]

Hoffmann, E.T.A: Der Goldene Topf. Ein Märchen aus der neuen Zeit. Stuttgart: Ernst Klett Verlag 2011

Der Autor kann Gedanken lesen. Man sitzt am Schreibtisch, sieht den Sinn im Lesen des Buches nicht, sieht eigentlich in gar nichts um sich herum Sinn. Guckt aus Gewöhnung auf den Facebook Newsfeed. Der sich nicht ändert. Der sich immer noch nicht ändert. Der immer noch so sinnentleert ist wie 10 Minuten zuvor. Der eigentlich nur von Leuten berichtet, denen es im Moment genauso geht.

Dann ringt man sich doch durch, weiterzulesen, sich auf die Sprache und die Struktur des Textes einzulassen, notfalls nach einer halben Seite wieder zuzuschlagen. Und dann liest man sowas und denkt sich, “Mensch, das muss ich posten, das ist genial!”. Posten. Schon wieder sowas sinnentleertes. Ich les weiter. Ne halbe Seite.

Der Sessel

Ich war erstaunt. Der Mensch, der da vor mir stand, kam mir bekannt vor. Seine Gesichtszüge ähnelten  denen, die meine Portraits aus meiner Jugend tragen. Nur seine Mundwinkel enden höher.
Er war in ein Bewerbungsgespräch gekommen. Mir gelang es nicht aus seinem Gesicht zu lesen, ob er motiviert war oder ohnmächtig angesichts der Größe meiner Firma. Die Firma, sie lief gut. Besser, als es sich je jemand vorgestellt hatte. Und schneller als die meisten anderen Firmen.
Ich würde ihn einstellen. Wir brauchen neue Arbeiter. Das Geld, das er als Lohn bekommen würde, können wir als Kapital zwar mindestens genauso gut brauchen, aber es wäre sowieso keine allzu große Summe.
Ich war gespannt, was er mir zu erzählen hatte. Sein Anzug reicht nicht an meinen heran, aber das spielt keine Rolle. Als ich in seinem Alter war, habe ich mich aufgegeben für meine Idee. Es war meine Idee und ich war mich ihr sicher. Das Kapital war knapp und noch knapper war die Zeit. Ich musste schnell handeln. Ich musste die Firma in den Mittelpunkt stellen. 
Heute hat es sich ausgezahlt. Die Cafés sind nobler geworden, die Frauen schöner, meine Wünsche erfüllter.
Auf meinem Schreibtisch stehen neben dem Laptop eine Blumenvase und ein paar Bilderrahmen. Die Bilder kann man nur von meinem Sessel aus sehen und das auch nur, wenn sie nicht von den herabhängenden Blättern der Blumen verdeckt werden. Im größten Bilderrahmen ist ein Foto meiner Eltern, wie sie stolz hinter mir stehen. Ich war damals 19 und hatte das Abitur mit 1,3 bestanden. Mutter war, glaub ich, leicht überfordert, wie schnell das alles ging. Und Papas Gedanken wusste wahrscheinlich doch nur der Stammtisch. Papa blickt nicht in die Kamera. Mir ist das zuvor noch nie so richtig aufgefallen. Sein Blick fällt leicht abseits. Er steht auch weiter weg von mir als meine Mutter. Sie versucht mich festzuhalten.
Meine Schwester ist nicht auf dem Foto. Ich habe sie dafür auf einem anderen Foto, in einem anderen, kleinerem Bilderrahmen. Auf dem Foto sitzen wir beide auf einer Bank. Sie war damals sieben, ich war vier. Sie macht eine riesengroße Seifenblase und in meiner Latzhose strahle ich über beide Backen. Die Blumen im Hintergrund blühen hell und am Himmel stehen Federwolken.
Daneben habe ich noch eine Karte mit Bild von ihrer Hochzeit. Ich war 18 als sie heiratete. Ich war nicht bei ihrer Hochzeit dabei. Ich weiß nicht mehr warum. Irgendetwas muss dazwischen gekommen sein. Sie ist glücklich heute, glaube ich. Richtung Norden ist sie gezogen. Ich muss ihr noch meine neue Telefonnummer geben.
Auf dem letzten Bild sieht man meine damalige Freundin. Tanzend. Wie sollte es anders sein. Standard. Ein schöner Anblick.
Sie ist gestorben. An einer Alkoholvergiftung. An ihrem 18. Geburtstag. Ich habe es am Tag darauf erfahren. Man hört heue einiges von Leuten, die regelmäßig zu viel trinken. Damals war das schon etwas besonderes. Innerhalb kürzester Zeit wusste jeder in der Umgebung davon. Eine Party hatte sie nicht, sie wollte den Tag nur mit den allerwichtigsten Menschen in ihrem Leben verbringen. Ich bin mir sicher, dort droben tanzt sie heute noch.
Ein ganz normales Büro also. So, wie es sein soll. Ich könnte einmal lüften. Doch nicht vor dem neuen Bewerber. Wir setzen uns. Ich sitze aufrecht. Er geht in der Größe des Stuhles und des Raumes leicht unter. Doch sein Händedruck spricht schon mal für ihn. Eine Rolle spielt er aber nicht. Der Junge muss 18 sein, 19, vielleicht 20. 19, er sagt es. Er hat sein ganzes Leben noch vor sich. Das bis hierher, das war nur das Schaffen eines Startvorteils. Er hat hat noch keine Welt, er muss sie sich erst aufbauen. Sein Leben wird sich innerhalb kürzester Zeit radikal ändern. Eigentlich ist es egal, was er redet, ich nehme ihn.  Er scheint erstaunt. Was denn seine Arbeitsbedingungen seien.  Viel Geld würde er nicht bekommen, man muss sich doch was verdienen. Erst muss er zeigen, was er kann, sich aufgeben, den Beruf und die Firma in den Mittelpunkt stellen, dann wird etwas aus ihm. Dann kann er stolz auf sich sein. In meiner Firma hat er vielversprechende Möglichkeiten.
Er sagt ab. Tut ihm leid. Er will sein anderes Leben.
Mit dem Luftzug der Tür falle ich zurück in meinen Sessel.

Mensch, ich will doch nur glücklich sein!

Ich will mich nicht auf eins festlegen, wenn ich zwei bin.

Ich will mich ausprobieren und nicht festlegen, ich will schauen, was mir Spaß macht

schauen, was ich kann

und dann erst, was mir wichtig ist

was richtig ist

und passt

zu mir

meinem leben.

Mensch, ich will doch nur glücklich sein!

Ich will mich nicht auf 3 begrenzen, wenn ich 5 bin.

Ich will mich ausprobieren, ohne Grenzen, Dinge aufbauen und nicht beschränken.

Mich aufbauen und nicht einengen.

Den Turm von Babel bauen

und von vorne anfangen,

wenn er zusammenfällt.

Ohne Luft tauchen

und wenn das nicht klappt

in der Luft schwimmen

und erst dann, wenn ichs getan hab, erst dann will ich auf dem Bodne bleiben,

wenn ich denn glücklich bin.

ich will 7 ordnen und aus ihnen 10 erschaffen.

will rot mit gelb verbinden und ein bild malen

es mit tönen hinterlegen und mit worten einrahmen, so

dass es passt und ein ganzes ergibt und ich glücklich bin.

ich will 2 und 1

denn 2 und 1 sind immer noch 1 mehr als nur 2

ich kann noch viel mehr

und will doch nur die 24 mal 60 dafür,

die ich brauche

um auch die 3 darin unterzubringen.

dabei ist es mir vollkommen egal, ob ich die 4a oder die 4b darin unterbringe, solange

ich glücklich bin

ich bin doch noch bei 1 und hab noch 60

Möglichkeiten 2 und 3 zu sehen

so lasst mich doch

ein Haus bauen und von ihm

mit dem Fallschirm springen und in meinem

selbst gepflanzten Baum in Afrika landen und

von dort aus den pazifischen Ozean durchschwimmen

denn es gibt noch so viel mehr, was danach kommt,

nach dem Haus, oder was es auch immer sein soll.

Mensch, ich will doch nur glücklich sein!

Klar, Unendlich ist immer ausgeschlossen,

aber die Grenze davor will ich sehen

oder wie Kolumbus bis ans Ende der Welt segeln,

so hoch in den Himmel eintauchen,

bis ich an einem Sternengraben ankomme,

ein Foto machen, es dem Mann im Mond zeigen

und mit ihm, dem Osterhasen und seinen Freunden Fasching feiern.

Am besten, alles gleichzeitig, aber auch egal, solange

ich glücklich bin!

ich weiß noch nicht, ob ich 8  brauche zum glücklich sein oder 4

ob auf Planet 11 Blumen wachsen

oder der Turm zu Babel nur aus Holz zusammenbricht

oder auch aus Stein

ob die Landung im Baum sanft wird

und ob ich vom Pazifik aus den Mond oder die Sonne sehen werde.

Ich war noch nie dort.

Ich weiß es nicht.

Aber ich will hinreisen

und glücklichsein

und wenn ich nicht glücklich bin,

pack ich meine 1, 2, 3 und 4,

hüpf zu 5

und reise weiter.

Weiter,

bis ich glücklich bin.

zitat: "ich fürcht mich manchmal selber noch vor meinem eigenen Fahrstil gott sei dank liebt mich gott"